Juni

Die Gastgeberin

Buch von Karin Ivancsics

Tagsüber gibt die namenlose Ich-Erzählerin Kurse für Malerei an der Volkshochschule und abends wird sie zur Gastgeberin: In ihrem Wiener Salon trifft sie neben ihrer besten Freundin und Verwandten auch auf Personen, denen sie zum ersten Mal begegnet, darunter unbekannte Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg, die ihre Großmutter eingeladen hat, berühmte Schriftsteller, Maler und Musiker – es handelt sich um Tote, die in ihrer Wiener Wohnung ein und aus gehen.

In ruppig-humorvollem Tonfall berichtet sie von den Diskussionen mit ihren Gästen, innere Monologe und Selbstgespräche treffen auf Dialoge einer – imaginierten? – Außen- und Parallelwelt, welche wiederum von Traumsequenzen und Rückblenden in die Kindheit durchbrochen werden. Die Unterhaltungen mit den Verstorbenen, in denen es u. a. um Versäumnisse, postmortalen Ruhm und das schamlose Vermarkten von KünstlerInnen geht, die sich gegen fake biographies und merchandising ihrer Meisterwerke auf Regenschirmen und Kaffeetassen nicht wehren können, spiegeln das Innere der Totenflüsterin: einer, die um ihr Leben redet und die sich gleichzeitig in gefährliche Gefilde begibt, aus denen sie möglicherweise nicht mehr heraus findet.

„Man glaubt nämlich noch heute, dass Verstorbene die Farben Orange und Gelb am besten erkennen würden, bei Gelegenheit muss ich mal nachfragen, ob das stimmt.“

Karin Ivancsics studierte Germanistik und Romanistik und lebt als freie Schriftstellerin in Wien und im Burgenland. Sie schreibt Lyrik, Erzählungen, Romane, Theaterstücke und Essays. Buchveröffentlichunge u.a. „Restplatzbörse“, Roman (2011), „Aus einem Strich die Landschaft“, Essays (2015). Sie liest aus ihrem im Herbst 2018 erschienenen Roman „Die Gastgeberin“, in dem sie sich auf unkonventionelle Weise mit dem Thema Tod befasst.

Infos: www.karinivancsics.at